Zu heiß – Sport- und Freizeitanlagen im Erlenbruch

Bereits im Jahr 2006 hat sich die Gemeindevertretung Schönwalde-Glien mit einer Sportstättenentwicklung im Erlenbruch befasst. Schon damals wurden Beschlüsse gefasst, welche das Projekt vorantreiben sollten. Nunmehr – 6 Jahre später – geht es wieder einmal darum, Sportstätten im Erlenbruch zu entwickeln. Doch dieses Mal geht es nicht nur darum. Weil man nämlich die gewünschten Sportstätten nicht gefördert bekommt, plant man nunmehr den Bau einer Freizeitanlage und eines multifunktionalen Vereinsheimes. Die geschätzten Kosten für Beides liegen derzeit bei ca. 4,2 Mio. Euro. Doch das eigentliche Ziel, nämlich den Bau eines Kunstrasenplatzes mit Rundlaufbahn, wie in der seinerzeit geplanten Sportstättenentwicklung vorgesehen, hätte man damit noch immer nicht umgesetzt. Die CDU unter Führung von Bürgermeister, Bodo Oehme, möchte daher diese Sportanlagen ohne Fördermittel bauen. Die Planung dafür ist entwurfsmäßig bereits erfolgt und eine Kostenschätzung liegt ebenfalls vor. Danach kostet der Kunstrasenplatz ca. 900.000,00 Euro und die Rundlaufbahn ca. 570.000,00 €. Wir sprechen damit von einem Kostenvolumen von 1,47 Mio. Euro, welches die Gemeinde Schönwalde-Glien allein zu berappen hätte. Alles in allem kosten die Sport- und Freitzeitanlagen mit Vereinsheim damit rund 5,7 Mio. Euro. Förderfähig wären davon nur rund 1,4 Mio. Euro netto.

Am 31.07.2012 sollten die Gemeindevertreter nun über dieses Mammutprojekt abstimmen. Es lagen dazu zwei Fördermittelanträge zur Beschlussfassung vor.

siehe hier: Beschlussvorlage Vereinsheim ohne Anlagen 

 siehe hier: Beschlussvorlage Freizeitanlagen

Diese Beschlussvorlagen erreichten die Gemeindevertreter unglücklicher Weise am Tage selbst, mich persönlich kurz vor der Sitzung. Das waren Beschlussvorlagen von à 4 Seiten und à 50 Seiten mit zusätzlichem Kartenmaterial, wovon 37 Seiten reine Zahlenaufstellungen beinhalteten, von denen der Bürgermeister selber zugab, dass sie mit „heißer Nadel gestrickt worden sind“.

Zum Glück kam es an diesem Tag zu keiner Abstimmung, denn wie sich in der nachträglicher Prüfung der Unterlagen nun herausstellt, sind die Beschlussvorlagen mit einigen Fehlern behaftet. So sind einzelne Positionen der Kostenschätzung nicht nachvollziehbar. Zudem wurden die Anlagen den Beschlussvorlagen falsch angeheftet, was anscheinend zur Folge hatte, das eine genannte Kostenaufstellung eines Planungsbüros nicht existiert. Hier liegt wohl eine Verwechselung des Planungsbüros vor.

Noch ungeklärt ist zudem auch die im Beschlusstext genannte Zuwegung. Fahrradfahrende Besucher werden hier über einen Umweg (ein Fahrradweg an der L 20 zum Erlenbruch existiert leider nicht) durch Schönwalde-Dorf auf den so genannten Schwarzen Weg verwiesen. Dabei ist eine Überquerung der L 20 notwendig. Ein riskantes Vorhaben, wie sich bei einem Vor-Ort-Termin der Schreiberin dieser Zeilen herausstellte. Ohne einen Fussgängerüberweg oder eine Bedarfsampel dürfte es insbesondere für die Zielgruppen dieser Sport- und Freizeitanlagen (Senioren, Kinder- und Jugendliche) recht gefährlich werden, die L 20 schadlos zu überqueren. Der Zustand des so genannten schwarzen Weges glich zudem eher einer Matschanlage.

 Nebulös ist auch der Umstand, dass Fördermittel für die Freizeitanlagen laut Beschlussvorlage nicht beantragt werden sollen. Damit würden Bolzplätze, Volleyball und Beach-Volleyballplätze und der Mehrgenerationen-Spielplatz entweder von der Gemeinde, sprich auf deren Kosten errichtet werden, oder aber einfach wegfallen. In der Beschlussvorlage ist dazu unter „Kosten“ vermerkt, dass diese Positionen aus dem Förderantrag herausgenommen werden. Eventuell handelt es sich auch dabei um einen Fehler, der in der Eile der mit heißer Nadel gestrickten Zusammenstellung geschehen ist. Eine schlüssige Erklärung dieses Umstandes geht aus der Beschlussvorlage selber nicht hervor.

Neben diesen Freizeitanlagen sollen im Erlenbruch ein Spielplatz, eine Matschanlage und ein Teich mit Seilfähre entstehen. Ebenso ist von einer Festwiese mit Bühne die Rede. Diese findet sich in der Kostenaufstellung allerdings ebenfalls nicht wieder.

Die mit heißer Nadel gestrickten Beschlussvorlagen kommen nun noch einmal in die Ausschüsse. Das jedenfalls war das Ergebnis der Sondersitzung, zu welcher der Bürgermeister die Gemeindevertreter aus ihrer wohlverdienten Sommerpause einberufen hatte. Am Ende war ihm die geplante Beschlussfassung zu diesem Mammutprojekt dann wohl doch zu heiß gewesen.

Ines Zock

parteilose Gemeindevertreterin

Advertisements

3 Antworten zu “Zu heiß – Sport- und Freizeitanlagen im Erlenbruch

  1. Der Dilettantismus hat in Schönwalde offensichtlich mal wieder zugeschlagen. Weißte bescheid.

  2. Da dann hat man wieder mehr Raum um unter sich zu sein. Hier in schoenwalde gibt es ja schon ein paar Einrichtungen davon. Ist nur die frage, will man da freiwillig eingesperrt sein. Mit diesem ganzen Irrsinn.

  3. Realistisch betrachtet, dürfte die Freizeitanlagen im Erlenbruchgelände kaum eine Chance auf Auslastung haben. Aber welcher Politiker ist schon realistisch? In Schönwalde scheint eher der Größenwahn zu regieren.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s