Schönwalder Rathausumbau – Planungsfehler und Größenwahn

Öffentliche Großbauvorhaben werden sehr häufig teurer als geplant. Doch solche Kosten­explosionen sind meistens hausgemacht. Bürgermeister und Verwaltungen rechnen die Preise für Großbauprojekte gerne schön. Das heißt, dass die Baukosten im Einzelfall gar nicht wirklich “steigen”, sondern dass sie einfach über dem vorher berechneten Preis liegen. So war das auch beim Schönwalder Rathausumbau. Lagen die Kostenschätzungen im Dezember 2008 (siehe Kostenvergleichsberechnung aus dem Bauamt vom 01.12.2008) noch bei rund 1,2 Mio Euro, so waren es im Oktober 2009 schon „realistische“ 2,9 Mio. Euro. Das Problem: Auf Grundlage dieser Kostenschätzungen hat die Gemeindevertretung dem Rathausprojekt zugestimmt. Das Kostenrisiko wurde also zu niedrig angesetzt.

Die Kosten schnellten seit Oktober 2009 unaufhaltsam in die Höhe. Fast alle 2 Monate lagen den Gemeindevertretern entsprechende Beschlussvorlagen mit „Nachbesserungen“ bezüglich der Kosten vor. Die Letzte ihrer Art kam in der Gemeindevertretersitzung am 16.08.2012 als überplanmäßige Ausgabe auf den Tisch. (siehe Beschlussvorlage vom 14.08.2012) Bemerkenswert ist die in der Beschlussvorlage unter „III. Alternativen“ aufgeführte Alternativlosigkeit. Schließlich müssen doch die Handwerkerrechnungen bezahlt werden, hieß es. Da gibt es freilich keine Alternative.

Häufig fehlen auch die Anreize dafür, geplante Kosten einzuhalten. Architekten und Planer verdienen in der Regel prozentual an den Gesamtbaukosten. Steigt der Preis, dann steigt auch ihr Honorar. Derzeit liegen die Kosten bei rund 4 Mio. Euro, und zwar ohne Grundstücksankauf und ohne Außenanlagen.

Was hätte man dafür in Schönwalde-Glien alles bauen können? Wenn man unterstellt, dass die Baukosten für das Rathaus mit Außenanlagen und Grundstücksankauf (5 Mio) den  ersten Kostenvoranschlag (1,2 Mio) zzgl. einer „üblichen“ Kostensteigerung (0,8 Mio) um 3 Mio übersteigen, hätte man von den rund 3 Mio etwa 50.000 m (= 50 km) Straßenausbau finanzieren können.

Kostentreiber beim Rathausumbau waren aber auch diverse nachträgliche Extrawünsche  der Verwaltungsspitze, wie z.B. der Einbau einer Klimaanlage und einer Granittreppe. Bei einem derartigen Prestigebau wie einem Rathaus spricht man deshalb auch von sogenannten “Leuchttürmen”. Mit diesen „Leuchttürmen“ demonstrieren Politiker gerne ihre Macht und Stärke.

Leider haftet niemand für derartige Kostenexplosionen bei öffentlichen Großbauvorhaben. Ganz im Gegensatz zu einem privaten Bauprojekt, bei dem der Bauherr die Mehrkosten direkt spürt. Der Bund der Steuerzahler schlägt daher Prämien vor, die ein Planer oder ein Unternehmen bekommen, wenn es die geplanten Baukosten einhält. Überlegenswert wäre auch die Einführung eines finanzorientierten Controlling. Das könnte zumindest bei zukünftigen Bauvorhaben in Schönwalde-Glien Schlimmeres verhindern.

Eins dürfte mithin klar geworden sein, ein weiteres Großprojekt mit derart ausufernden Kosten, wird die Gemeinde in eine Art Finanzkrise auf kommunaler Ebene stürzen. Auf einen Rettungsschirm, der sich dann für Schönwalde öffnet, sollte man nicht allzu große Hoffnungen setzen.

Ines Zock

parteilose Gemeindevertreterin

Advertisements

5 Antworten zu “Schönwalder Rathausumbau – Planungsfehler und Größenwahn

  1. Hühneraugenplaster

    Schönwalde ist langsam kein „Soap“ mehr… sondern „KIKA“-Sendung…. „Bernd (das Brot) Richtig“ findet es richtig, daß das Brot (Steuergelder) optimal eingesetzt wurde, zur Zufriedenheit von einigen Bürgern……Nun, ich und andere aufmerksame, nicht verblendete Bürger haben das wahrlich (nicht) erkannt. ICH/WIR werden nicht wegziehen, sondern für geordnete demokratische Verhältnisse kämpfen – denkt an 1989…..alles hat mal ein Ende.., diesmal ohne Verfilzung., Bernd – sorry ….. langsam wird die regierende „SW-Gemeinde-Kaste“ wirklich unterirdisch imbezil! Ein Aufruf an die „Oppositionellen“ in der Gemeindevertretung – macht mal was..!!!!. Die nächsten Wahlen stehen vor der Haustür…..

  2. Steuerzahler und Bürger von Schönwalde

    Wozu die Aufregung? Es haftet doch keiner für derartige Kostenexplosionen, steht oben im Artikel. Oder vielleicht doch? Klar jetzt fällt es mir wieder ein. Der Steuerzahler, der zahlt für den Mist, den die Politiker verzapfen. Im Großen wie im Kleinen.

  3. Wir sind froh und stolz, dass es dieses Rathaus in der fertig gestellten Art und Weise gibt und wünschen uns, dass noch viele derartige Projekte verwirktlicht werden, damit sich unsere Gemeinde weiter sehen lassen kann. Warum ziehen die ständigen Meckerer nicht in die Einöde, wo sie sich mit ihren hinterwäldnerischen Vorstellungen verwirklichen können???

    • Ist das Ihr einziges Argument „Bernd Richtig“? Kritiker und unbequeme Wahrheiten einfach in die Wüste schicken? Hatten wir das nicht schon mal. Sicherlich soll jeder Ort eine repräsentativen Orte haben. Kosten und Nutzen müssen hier aber im gesunden Verhältnis stehen. Das ist hier nicht der Fall. Das Wetteifern mit anderen Gemeinden, nach dem Motto: schöner, höher, größer, prunkvoller und teurer hilft keinem. Was hat denn dei Gemeinde davon, das die Durchreisenden sagen:“Och ja ein schönes Rathaus“. Dir Logik erschließt sich mir nicht. Wer immer noch dem höchsten strebt, sollt sich mal an biblische Geschichte vom Turmbau zu Babel erinnern. Die dürfte den Christdemokraten ja durchaus geläufig sein.

      Uwe Abel

    • Es geht hier um ein Großprojekt mit ausufernden Kosten lieber Herr „Richtig“. Sie können ja gerne dafür 1 Mio. spenden. Okay ?

      Übrigens finde ich die Eingangstür ziemlich besch*** – wer ist denn für dieses üble Monstrum verantwortlich ? Kommen Rentnerinnen damit klar ?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s